Ratgeber · Krisenmanagement

Krisenmanagement im Spagat

Auch in der Krise gilt: Nur mit zufriedenen Mitarbeitern lassen sich Kunden begeistern — und nur begeisterte Kunden sind bereit, einen angemessenen und auskömmlichen Preis zu zahlen. Das ist vor allem dann ein hoher Anspruch, wenn Kurzarbeit droht oder in allerletzter Konsequenz Kündigungen ausgesprochen werden müssen.

Jetzt kommt es darauf an zu beweisen, dass unsere Werte und unsere mitarbeiter- und kundenorientierten Ansprüche echt sind — und nicht nur als plakatives Marketinginstrument in guten Zeiten dienten. Jetzt geht es um sinnerfüllendes Vorgehen.

Die persönliche Verantwortung des Chefs

Persönlich habe ich als Unternehmer schon oft vor scheinbar unlösbaren Aufgaben gestanden. Am schwersten waren immer die Entscheidungen, mit denen ich Mitarbeitern etwas wegnehmen musste. Sogar dann, wenn Enttäuschungen, beispielsweise durch erwiesenen Betrug, vorausgegangen waren. Umso mehr, wenn es um den Verzicht auf gewohnte Leistungen, die Anmeldung von Kurzarbeit oder gar betriebsbedingte Kündigungen ging.

Letztlich fühle ich mich für fast jede Krise hauptverantwortlich — denn das ist meine Aufgabe als Kapitän: das Unternehmensschiff bei allen Wetterlagen sicher zu führen, im Besonderen bei schwerer See. Doch auch als Chef bin ich kein Hellseher oder Allwissender. Und ich bin mir sehr wohl bewusst, dass meine Fehler in einer Krise besonders schwer wiegen können.

Daher ist es nötig, alle Entscheidungen — insbesondere solche, die die Moral der Mannschaft negativ beeinflussen — sehr überlegt, nicht übereilt und vor allem besonnen zu treffen. Und die Entscheidungen professionell und zeitgerecht zu kommunizieren, um Gerüchten im Flurfunk vorzubeugen. Denn es gibt immer eine Zeit nach der Krise — und diese ist meist länger und bedeutender als die Krise selbst.

Bei allen Entscheidungen, seien sie noch so einschneidend, muss die Überlegung mitschwingen: Wie können wir mit den Folgen der getroffenen Maßnahmen unsere Zukunft erfolgreich gestalten, wenn wieder Normalität einkehrt?

Der Spagat: Einschneidende Maßnahmen — ohne Loyalität zu verlieren

Wissend, dass das Gerechtigkeitsempfinden der Mitarbeiter in der Praxis mehr zählt als rechtlich sozialgerechte Maßstäbe, und wissend, dass die Loyalität der Mitarbeiter nicht bei allen gleich ausgeprägt ist und sowieso immer Grenzen hat — mussten Maßnahmen ergriffen werden, die verständlich und erträglich waren. Loyalität lebt von Gegenseitigkeit.

Ganz entscheidend für den Umgang mit der Krise sind die Solidarität und der Teamgeist innerhalb der Mitarbeiterschaft. Beides kann in der Krise rettend sein — kann sich aber im ungünstigsten Fall auch gegen die Unternehmensleitung richten. Mitarbeiter, die sich verlassen fühlen, solidarisieren sich untereinander, schlimmstenfalls gegen die Unternehmensleitung.

Insbesondere wenn Führungskräfte oder Meinungsmacher Entscheidungen zunächst mittragen, aber ohne innere Überzeugung — weil sie sie als ungerecht empfinden —, besteht die Gefahr, dass die Stimmung kippt. Chefs erhalten viel öfter höfliche Zustimmung als ehrliches Feedback.

Die zentrale Frage lautet daher: Wie lassen sich unabdingbare Maßnahmen — beispielsweise zur Senkung der Lohnkosten — so umsetzen, dass alle loyalen und erfolgsorientierten Mitarbeiter die Entscheidungen überzeugt mittragen, auch wenn sie selbst betroffen sind und Verzicht üben müssen?

Loyale Mitarbeiter — was das bedeutet

  • Loyale Mitarbeiter identifizieren sich mit der Mission und Vision ihres Unternehmens und übernehmen aus Überzeugung Verantwortung.
  • Sie sind keine Jasager, sondern geben aufrichtiges Feedback, sind lösungsorientiert und bringen konstruktive Verbesserungsvorschläge ein.
  • Sie bringen sich täglich aktiv und motiviert ein, tragen Entscheidungen der Führungskräfte mit und unterstützen in gegenseitigem Vertrauen das Team wie auch den Chef.
„Vertrauen ist für alle Unternehmen das Betriebskapital, ohne welches kein nützliches Werk auskommen kann." — Albert Schweitzer

Loyale Chefs — die andere Seite

Loyalität ist in Unternehmen gleichermaßen eine Hol- wie eine Bringschuld. Loyale Chefs identifizieren sich mit ihren Mitarbeitern — basierend auf Sympathie, Vertrauen und gemeinsamer Verbundenheit zum Unternehmen. Sie stellen sich schützend vor ihre Mitarbeiter, loben gern und geben ehrliches Feedback. Sie kritisieren Fehlleistungen vorurteilsfrei, fair und respektvoll. Sie fördern und fordern ihre Mitarbeiter zu deren Wohl, zur Steigerung der Kundenzufriedenheit und zur Erfüllung der Unternehmensziele.

„Das gute Beispiel ist nicht eine Möglichkeit, andere Menschen zu beeinflussen — es ist die einzige." — Albert Schweitzer

Rentabilität und Liquidität sichern

Es ist immer — und nicht nur in der Krise — die Aufgabe der Unternehmensleitung, die Rentabilität und Liquidität eines Unternehmens zu sichern. Die Rentabilität geht der Liquidität längerfristig stets voraus. Die Liquidität wird immer vom Prozessmanagement, vom operativen Controlling, von einer gewissenhaften Kalkulation und Kostenplanung sowie der richtigen Finanzierung beeinflusst.

Zielführend sind Maßnahmen immer dann, wenn sie auch im Rückblick als richtig und insgesamt nützlich bewertet werden können und überdies das Vertrauen in die Führung nachhaltig stärken. Je präsenter das kaufmännische Verständnis in der Mitarbeiterschaft verankert ist, desto leichter lassen sich Korrekturmaßnahmen realisieren.

Zufriedene Mitarbeiter, begeisterte Kunden, nachhaltige Wertschöpfung — das bleibt auch in der Krise der Maßstab für alle Entscheidungen. Der Erfolg eines Unternehmens ist und bleibt die Summe des Erfolgs aller Mitarbeiter.

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